Frauenhaus Norderstedt 040/5296677


 

Wenn Sie zu uns kommen, wäre es gut, folgende Unterlagen aus der Wohnung mitzunehmen:


  • Personalausweis/Pass/Kinderausweis
  • Stammbuch
  • Arbeitserlaubnis
  • Lohnsteuerkarte
  • Sozialversicherungsnummer
  • Kindergeldbescheid
  • Erziehungsgeldbescheid
  • Arbeitspapiere/Arbeitszeugnisse/Schulzeugnisse
  • Krankenversicherungskarten
  • Sparbücher
  • Kontokarte- und auszüge
  • Notwendige Medikamente
  • Ärztliche Atteste
  • Impfpässe der Kinder
  • Mietvertrag
  • Handyvertrag
  • Lieblingsspielzeug der Kinder
  • Persönliche Erinnerungen

 

 

Das Frauenhaus Norderstedt ist eines der 360 Frauenhäuser in Deutschland. Das Haus hat 25 Plätze für Frauen und ihre Kinder. Die Finanzierung wird zur Zeit über den Haushalt des Frauenministeriums Schleswig-Holstein gewährleistet.

Träger des Hauses ist das Diakonische Werk des Kirchenkreises Hamburg –West / Südholstein. Außerordentliche, im Finanzierungsrahmen nicht enthaltene Dinge, müssen über Spenden abgedeckt werden (Frauenhaus-Bus, Ausflüge, Dolmetscherkosten, finanz. Einzelfallhilfen)

 

Die Frauen und Kinder, die im Frauenhaus Zuflucht suchen, befinden sich häufig unmittelbar in einer Lebenskrise, der meist ein Zusammenbruch ihrer bisherigen Lebensziele und -umstände vorausging. In dieser Situation ist es wichtig, dass die Frauen sich psychisch stabilisieren können, um ihre Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen. Durch Einzelgespräche und Gruppenangebote bieten sich den Frauen Möglichkeiten, ihre Gewalterfahrung zu verarbeiten und sich mit anderen betroffenen Frauen auszutauschen.

Die Mitarbeiterinnen beraten und unterstützen die Bewohnerinnen nach Bedarf bei der Alltagsorganisation und den neu anstehenden Aufgaben: Kontakte zu RechtsanwältInnen, ÄrztInnen und Behörden, Umschulung der Kinder, Wohnungssuche etc..

 

In dem Frauenhaus leben durchschnittlich 12 Kinder jeden Alters. (Jungen können aufgrund der baulichen Enge des Hauses leider nur bis zum Alter von 13 Jahren mit ihren Müttern aufgenommen werden.) Die Kinder kommen meist völlig unvorbereitet in eine für sie neue Situation und müssen von einem Tag auf den anderen ihr gewohntes Zuhause verlassen. Zwei (Teilzeit-) Mitarbeiterinnen arbeiten im Kinderbereich. Hier geht es zum Einen darum, den Kindern zu ermöglichen, Erlebtes zu verarbeiten. Zum anderen ist die Stabilisierung der Mutter-Kind-Beziehung ein wichtiger Inhalt der Arbeit, da das Verhältnis zwischen den Müttern und ihren Kindern durch das von Gewalt geprägte Familienleben häufig stark belastet ist.

Außer der sozialen Arbeit mit Frauen und Kindern sind die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Prävention wesentliche Bestandteile der Frauenhausarbeit. Gesellschaftspolitische Einflussnahme auf den Umgang zum Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder, Mitarbeit in Gremien und bei Veranstaltungen, die dieses Thema behandeln, aber auch Präventionsarbeit in Schulen und anderen Institutionen sind notwendig, um in der Gesellschaft die Ächtung von Gewalt zu erreichen und  langfristig zu bewirken, dass Frauenhäuser eines Tages nicht mehr notwendig sind!

 

 

 

Projekt Jungengruppe – Frauenhaus Norderstedt  

 

Seit 2005 gibt es im Frauenhaus Norderstedt auch eine Jungengruppe:

 

Sven (8 J.) hat alles miterlebt. Er hat gesehen, wie der Vater die Mutter schlug, nach ihr trat, ihr an den Haaren riss. Die Schreie der Mutter, das Blut in ihrem Gesicht und die Angst, das vergisst er nicht. Der Vater und die Mutter haben sich gestritten, solange er denken kann. Es gab auch gute Zeiten, aber die waren nur kurz. Immer wieder wurde auch Sven angeschrieen und geschlagen, wusste meist gar nicht warum. Oft wacht Sven nachts weinend auf. In der Schule hat er viel Streit. Die Kinder ärgern ihn, er  schlägt zurück, manchmal fängt er auch an. Er weiß, dass er das nicht darf, aber was soll er tun? Wohin mit seiner Wut und Angst? Die Tante sagt: „Sven ist wie sein Vater.“ Aber Sven will nicht so sein wie er, weil er ihn hasst, für das, was er getan hat. Und er bewundert seinen Vater, der so stark ist, so viel Macht über ihn und die Mutter hat.

 

Alle Kinder lernen die Unterscheidung von Mann und Frau als eine der ersten, nehmen sich selbst als männlich oder weiblich wahr und identifizieren sich entsprechend mit anderen. Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind erleben, dass die Gewalttätigkeit an das Geschlecht von Täter und Opfer gebunden ist, dass der Vater als Mann schlägt und die Mutter als Frau abgewertet, geschlagen und vergewaltigt wird. Die geschlechtsspezifisch wahrgenommene Partnergewalt hat Auswirkungen auf die Entwicklung der eigenen Identität und auf den geschlechtsbezogenen Selbstwert.

Nehmen sich die Söhne den Vater zum Vorbild, so wird Gewalt ein legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen. Lehnen sie aber die Gewalttätigkeit des Vaters ab und suchen nach anderen Mitteln der Konfliktlösung, so sind sie in hohem Maße auf alternative Modelle männlicher Identität angewiesen.